Wia i a Wunda verschaf´n hob

„Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde,
die hüteten des Nachts ihre Herde“ – so wird´s berichtet.
Do woar a, a Hiatabua dabei, der hat net gehütete , der hot g´schlaf´n. Und des woar i.
Domols hob i oft die Nochtwocht verschlaf´n, aber die aunder´n woarn ma net bös drum.
Sie waren Männer und i woar no a Kind.
Und sie hab´n ma gern zua g´hört, waun i ihnen noch dem Aufwach´n erzöhlt hob, wos i
träumt hab.

A in der Nocht hob i an Traum g´habt, der hot die Aungst, die i aum Tog g´hobt hob, weita
in die Nocht trieb´n – die Aungst, das i vielleicht a Schaf verlor´n hob.
In meiner Herde hot´s mehr Schaf´ geb´n ois Finga aun meine Händ´.
Zähl´n hob i jo net kinnan.
Ein Schaf war braun und es waren mehr schwarze als weiße.
Aun dem Tog is ma aba so vorkemman, ois war´ns auf amoi genau sovü Schwarze wia
Weisse. Des hoassat, das i oans verlor´n hätt´.

Des hot ma Aungst g´mocht. Und die foische Aungst no dazua!
Weil´ a guata Hiatabua hot Aungst um des Schof aba i hob nua Aungst g´hobt um mi.
a Schaf kau jo überall was zum Fressen find´n. I net.
Es woar´n natürlich net meine Schafe!
I hob nix g´hobt, wos mia g´hört hot. Nua mei Nas´n, meine Arm, meine Füaß und mein
Kopf.

S´Hemd und d´Hos´n woarn von mein´m älteren Bruada und nur so laung meine,
bis mein Jüngeren passt hob´n.
Wos werd´n die Hirt´n tuan, waun i wirklich a Schaf verlor´n hob und sie´s merk´n?
Mi z´ruck schick´n zu die Eltern? Dort war koa Platz für mi und a koa Ess´n.
Waun i hoam kammat tat´ns zaumrutsch´n und schweig´n.
Des wurd´z´eng für mi.Des woar mei Aungst am Tog und is im Traum no vü schlimma
word´n.
G´rod hot mi im Traum no a Ungeheuer verfolgt – indem des verlorene Schaf g´steckt is.
Do hob´ns mi aufg´weckt.

Sie hob´m mi an die Arm zog´n und g´schrian, i hätt´ a Wunder verpasst –
A Wunda und an gaunz groß´n Glaunz!
I hob nix begriff´n, aber i bin mit ihnen noch Bethlehem g´lauf´n, zu an Stall.
Dort is zwisch´n a poar Viecha a Maun und a Frau g´hockt und in ana Fuatakripp´n is a
kloans Kind g´legn.
Die Hirt´n hob´n d´Arm hochgriss´n und g´locht, weil des Kind do woar und da Maun und
die Frau hob´n sie a g´freut. Woam woar´s in Stoi und Platz woar für uns alle.
D´Hirt´n hob´n leise g´red´ – vom Wunda bei den Schafen erzählt und oana hot mi sogoar
bedauert dass i des Wunda verschlaf´n hob.
Aber do im Stoi war auch ein Wunder.

Wia sonst konnt´s des geb´n, das sich fremde Männer so freu´n über des kloane Kind.
Dass so sanft sprech´n und darauf schaun, dass mit ihre Händ´und Füaß´ neamt im Weg
san.
I hob´s net verstaund´n, aber do hob i g´spüart, dass i in der Nocht koa Aungst mehr hob´n
muaß´- wegen dem verlorenen Schaf.
I hob wohl vü vapasst domois und maunches net begriff´n, aber seither weiß ich, dass
Stund´n gibt, in denen sind die Menschen gut.

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